llms.txt – die neue Visitenkarte für KI-Systeme

Von einer Webdesignerin die seit 2001 in dieser Branche arbeitet – und die neue Entwicklungen lieber früh versteht als spät bereut.

Sie haben noch nie von llms.txt gehört? Das ist völlig normal – die Datei existiert erst seit 2024 und ist noch bei weitem kein Standard. Aber sie wird es werden. Und wer sie früh versteht hat einen echten Vorteil.

Versprochen: Keine Technik-Abkürzungen ohne Erklärung. Kein Kauderwelsch. Nur verständliche Sprache.


Zuerst ein Schritt zurück – wie KI-Systeme das Internet lesen

ChatGPT, Gemini (Googles KI), Claude, Perplexity – all diese KI-Systeme (Künstliche Intelligenz-Systeme die Fragen beantworten können) lernen aus dem Internet. Sie lesen Websites – Millionen davon – und speichern das Wissen um später Fragen beantworten zu können.

Das Problem: Das Internet wurde für Menschen gebaut – nicht für Maschinen. Eine KI die eine Website liest sieht auch Navigation, Werbebanner, Cookie-Hinweise, Fußzeilen, Seitenleisten und hunderte andere Elemente die für den eigentlichen Inhalt keine Rolle spielen.

Das ist für eine KI wie ein Buch lesen bei dem zwischen jedem Absatz Werbung, Inhaltsverzeichnis und Impressum stehen. Der eigentliche Text ist irgendwo drin – aber er findet sich schwer.

Und hier kommt llms.txt ins Spiel.


Was ist llms.txt – einfach erklärt

Stellen Sie sich vor Sie bekommen Besuch von jemandem der Ihre Stadt nicht kennt. Sie könnten ihm einen Stadtplan geben und hoffen dass er findet was er sucht. Oder Sie schreiben ihm einen kurzen Zettel:

"Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind hier, hier und hier. Das beste Restaurant ist dort. Was Sie unbedingt vermeiden sollten ist das."

Der Zettel ist die llms.txt. Kein vollständiger Stadtplan – nur die wichtigsten Informationen, klar und strukturiert, damit der Besucher sofort findet was wirklich zählt.

Technisch gesehen ist llms.txt eine einfache Textdatei die im Hauptverzeichnis einer Website liegt – also direkt erreichbar unter www.ihredomain.at/llms.txt. Sie listet in einfacher Sprache auf was die Website ist, wer dahinter steht, welche Seiten die wichtigsten sind und welche Themen behandelt werden.


Was hat das mit robots.txt zu tun?

Wer sich ein bisschen mit Websites beschäftigt hat von der robots.txt gehört – einer kleinen Datei die Google und anderen Suchmaschinen-Programmen (sogenannten Crawlern – automatische Programme die das Internet durchsuchen) sagt welche Seiten sie besuchen dürfen und welche nicht.

Die llms.txt ist das Äquivalent (das Gegenstück) für KI-Systeme – aber mit einem anderen Ansatz:


Es ist keine Verbotsliste. Es ist eine Einladung – mit klarer Wegbeschreibung.


Warum wird das immer wichtiger?

Wir befinden uns gerade in einem Wandel wie wir Informationen suchen.

Früher: Frage in Google eintippen → Liste von Links → auf einen klicken → lesen.

Heute zunehmend: Frage in ChatGPT, Gemini oder Google KI-Antwort (AI Overview) eintippen → direkte Antwort – ohne Link, ohne Klick.

Seit Mitte 2025 erscheinen bei über 50 Prozent aller Google-Suchanfragen KI-Antworten über den normalen Suchergebnissen. Das bedeutet: Viele Menschen bekommen ihre Antwort – und klicken nie auf eine Website.

Wer in diesen KI-Antworten zitiert wird – der gewinnt. Wer nicht – der existiert für diese Sucher nicht.

Und genau hier hilft die llms.txt: Sie erklärt der KI was Ihre Website ist und warum sie für bestimmte Fragen die beste Antwort liefert.


Ein konkretes Beispiel aus der Praxis

Meine Website Barrierefreies-Internet.at erscheint bereits in der Google KI-Antwort auf Platz 1 wenn jemand nach "barrierefreies Webdesign" sucht – ohne llms.txt.

Was passiert wenn jemand ChatGPT fragt: "Wer macht barrierefreies Webdesign in Wien?"

Ohne llms.txt: ChatGPT durchsucht das Internet und hofft die relevanten Informationen zu finden – zwischen Navigation, Footer, Cookie-Hinweis und allem anderen.

Mit llms.txt: ChatGPT liest zuerst den kurzen übersichtlichen Zettel: "Das ist Barrierefreies-Internet.at – eine Website über barrierefreies Webdesign in Wien und Österreich. Die wichtigsten Seiten sind..." – und gibt eine präzisere Antwort.

Das ist kein Zaubertrick. Aber es ist ein smarter Schritt in die richtige Richtung.


Was steht in einer llms.txt?

Eine llms.txt ist bewusst einfach gehalten – kein komplizierter Code, kein technisches Fachwissen notwendig. Sie enthält:


Ein vereinfachtes Beispiel wie eine llms.txt aussehen könnte:

# Vienna Webdesign – Petra Dippold

Webdesignerin aus Wien seit 2001.
Spezialisierung: Barrierefreies Webdesign, WCAG AAA, handcodiert.

## Wichtige Seiten

- /angebot.php – Webdesign Pakete und Preise
- /barrierefreiheit.php – Was barrierefreies Webdesign bedeutet
- /truth-check.php – Kostenloses Prüftool für Barrierefreiheit
- /ratgeber/ – Ehrliche Einblicke in Webdesign und SEO

Das ist alles. Kein Programmiercode. Kein technisches Vorwissen. Ein strukturierter Zettel für KI-Systeme.


Ist llms.txt bereits ein offizieller Standard?

Nein – und das ist wichtig zu wissen.

llms.txt wurde 2024 als Idee vorgeschlagen und wird seitdem diskutiert. Es gibt noch keinen offiziellen Standard – kein internationales Gremium hat sie verbindlich festgelegt. Nicht jedes KI-System liest sie automatisch.

Aber: Die ersten konkreten Ergebnisse sind vielversprechend. Experten berichten nach Einführung der llms.txt von deutlich mehr Besuchern die über KI-Systeme kommen. Und der Aufwand ist minimal – eine einfache Textdatei die man einmal erstellt und gelegentlich aktualisiert.

Die Frage ist nicht ob llms.txt zum Standard wird – sondern wann. Wer früh dabei ist hat einen Vorsprung.


Was bedeutet das für normale Website-Betreiber?

Drei Szenarien:

Szenario 1 – Kleine Website, wenig Traffic, kein KI-Marketing:
Noch kein dringender Handlungsbedarf. Aber schadet auch nicht. Wer 30 Minuten Zeit hat kann eine einfache llms.txt erstellen – als Investition in die Zukunft.

Szenario 2 – Unternehmen das Kunden über das Internet gewinnt:
Empfehlenswert. Wenn potenzielle Kunden KI-Systeme fragen "Wer macht X in meiner Region?" – dann sollte Ihre Website auf dieser Liste stehen. Eine llms.txt erhöht die Chance.

Szenario 3 – Thematisch spezialisierte Website mit klarem Fokus:
Sehr empfehlenswert. Je klarer das Thema desto einfacher ist es für KI-Systeme zu verstehen wofür Sie die beste Quelle sind. Und desto wahrscheinlicher werden Sie zitiert.


Der Zusammenhang mit gutem Content

Und hier liegt der wichtigste Punkt – den viele übersehen:

Eine llms.txt hilft KI-Systemen guten Content zu finden. Sie ersetzt keinen guten Content.

Wer schlechte, generische, kopierte Inhalte hat und eine llms.txt erstellt – der hilft der KI schneller zu verstehen dass diese Website nicht zitierenswert ist. 😄

Wer aber ehrliche, einzigartige, hilfreiche Inhalte hat – wie hoffentlich auf dieser Website – der gibt der KI mit der llms.txt einen klaren Wegweiser zu genau diesen Inhalten.

Technik ist die Eintrittskarte. Content ist der König. Das gilt für Google – und genauso für KI-Systeme.


Was ich konkret empfehle




Ich bin Petra Dippold – Webdesignerin aus Moosbrunn, in der Nähe von Wien, seit 2001 in dieser Branche. Ich beobachte neue Entwicklungen – und erkläre sie so dass auch Nicht-Techniker sie verstehen und nutzen können. 😊


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