Die Uralt-Domain wurde wachgeküsst: Was der Sommer 2026 wirklich gebracht hat

Eintrag 2 – Anfang September 2026

Im April habe ich dieses Tagebuch begonnen, als ich meine alte Domain nach Jahren des Stillstands wieder aufgeweckt habe. Ich habe damals eine Prognose gewagt: Ich dachte, ich brauche etwa ein Jahr, bis sich in meinen Rankings wirklich etwas bewegt und die großen Wiener Agenturen mich überhaupt bemerken.

Heute, knapp fünf Monate später, kann ich sagen: Es hat sich schneller etwas bewegt, als ich dachte. Aber die Geschichte ist eine andere, als ich sie im Frühjahr erwartet hätte. Also der Reihe nach.


Was die Zahlen zeigen

Ich verfolge meine Sichtbarkeit bei Google mit einem Analyse-Werkzeug. "Sichtbarkeit" ist dabei kein Umsatz und keine Besucherzahl, sondern ein Maß dafür, wie weit oben meine Seiten für die Suchbegriffe erscheinen, die für mich zählen. Neben meiner eigenen Domain beobachte ich bis zu vier Mitbewerber.

Von Juni bis Juli habe ich mich kontinuierlich nach oben gearbeitet. Meine Kurve ist in diesen Wochen von rund 10 Prozent auf ca. 30 bis 35 Prozent geklettert und dann ruhig auf diesem Niveau geblieben. Das war mein eigener Aufstieg, und darauf bin ich stolz, weil er aus sauberer Arbeit kam, nicht aus Tricks.

Zwei Mitbewerber lagen in dieser Zeit aber weit über mir – zeitweise bei knapp 60 Prozent, fast doppelt so hoch wie ich. Ich war in diesem Sommer nicht die Rakete. Ich war der ruhige Läufer im Mittelfeld, der sein Ranking hält.

Dann kam Mitte August. Und hier passierte das, was mich nach vorne gebracht hat – aber nicht so, wie man auf den ersten Blick vermuten würde.


Das August-Ereignis: Was wirklich passiert ist

Google verändert ständig, wie es Websites bewertet. Ein paar Mal im Jahr sind diese Änderungen so groß, dass Google ihnen einen Namen gibt. Man unterscheidet dabei grob zwei Sorten:


Mitte August – vom 18. bis 21. – lief ein Spam-Update. Kein Core-Update. Das ist ein wichtiger Unterschied. Google hat dazu ausdrücklich gesagt: keine neuen Regeln, kein besonderer Fokus auf gekaufte Links. Wer vorher sauber war, hatte nichts Neues zu befürchten.

Und in genau diesen Tagen sind die beiden Mitbewerber, die über mir thronten, deutlich abgestürzt – von knapp 60 Prozent herunter auf etwa mein Niveau.

Jetzt kommt der Teil, der mir wichtig ist, ehrlich zu erzählen: Meine eigene Kurve ist dabei nicht gestiegen. Sie ist genau dort geblieben, wo sie vorher war. Ich bin nicht an den anderen vorbeigezogen. Ihr Vorsprung ist geschmolzen.

Das Ergebnis ist dasselbe – ich stehe heute vorne. Aber die Erklärung ist eine völlig andere. Ich habe nicht gewonnen. Ich bin ruhig stehen geblieben, während zwei Mitbewerber an Boden verloren. Warum genau die gefallen sind, weiß ich nicht – ich sehe nur ihre Kurven, nicht ihre Websites von innen. Alles andere wäre Kaffeesatzleserei, und davon gibt es in meiner Branche schon genug.


Wie mein Vorsprung wirklich aussieht

Ich stehe im Moment an erster Stelle in meiner kleinen Beobachtungsgruppe – rund 37 Prozent bei mir gegen 34 Prozent beim Zweiten. Das sind drei Prozentpunkte. Das ist eine Führung, kein Erdrutsch.

Und ich muss dazusagen: In dieser Beobachtungsgruppe tracke ich bewusst nicht die Begriffe "Webdesign Wien" und "Webdesigner Wien". Dort stehen andere weit vor mir – und das aus gutem Grund, denn ich wohne in Niederösterreich und nicht in Wien. Meine Sichtbarkeit bezieht sich daher auf Niederösterreich, nicht auf die Wiener Innenstadt. Wer das durcheinanderbringt, misst sich an einem Kampf, den er gar nicht führt.

Etwas Neues ist seit dem Frühjahr dazugekommen, und darüber freue ich mich besonders: Bei einigen Suchanfragen taucht meine Seite inzwischen ganz oben auf – mal als Quelle in Googles KI-Antwort (dem Kasten, in dem Google die Frage selbst beantwortet), mal in der Quellenbox daneben, mal ganz klassisch auf Position 1. Nicht immer, aber immer wieder. Stand heute passiert das bei Anfragen wie "Angebot Webdesign", "Webdesign Angebot" und "Webdesign Wien Preise". Bezeichnend ist, wonach die Leute da suchen: nicht nach der größten Agentur, nicht nach der mit der längsten Referenzliste, sondern nach einem konkreten Angebot und einem klaren Preis. Genau das ist mein Feld. Ob das so bleibt, weiß ich nicht – die KI-Antworten wechseln ihre Quellen schneller als die normale Trefferliste. Aber dass Google meine Seite überhaupt als Antwort auswählt und nicht nur als einen Link unter vielen, ist mehr, als ich im April erwartet hätte.

Ich schreibe das so deutlich, weil ich niemanden – am wenigsten mich selbst – in die Irre führen will. Drei Prozentpunkte sind schnell wieder weg, wenn der Zweite die nächste Aufbauphase startet. Wer sich auf so einem Vorsprung ausruht, hat ihn beim nächsten Mal nicht mehr.


Mein größter Denkfehler: der Editor

Zu einem ehrlichen Tagebuch gehören die eigenen Irrtümer, und dieser tut ein bisschen weh.

Ich habe einen eigenen Editor entwickelt, mit dem Kunden ihre Website selbst bearbeiten können – ohne Datenbank, schlank, technisch sauber. Ich war so stolz darauf, dass ich ihn im Frühjahr als das große Verkaufsargument ganz nach vorne auf die Startseite gestellt habe. Meine Annahme: dass jeder Kunde alles am liebsten selbst ändern möchte.

Das war falsch gedacht.

Die kleinen Betriebe und Einzelunternehmer, mit denen ich arbeite, haben im Alltag weder Zeit noch Lust, ihre Website selbst anzufassen. Sie wollen kein Werkzeug. Sie wollen ein fertiges, rechtssicheres Ergebnis, um das sie sich nicht mehr kümmern müssen. Sie wollen wissen, dass sie die Kontrolle hätten, wenn sie wollten – aber die Arbeit möchten sie abgeben.

Ich hatte also mein stärkstes Argument an eine Erwartung geknüpft, die die meisten meiner Kunden gar nicht haben. Der Editor ist ein gutes Feature. Ich hatte nur die falsche Vorstellung davon, was die Leute wirklich wollen.


Was ich als Nächstes ändere

Wer im Umgang mit Google aufhört, seine Fehler zu korrigieren, hat schon verloren. Für den Herbst nehme ich mir zwei Dinge fest vor:

Der Editor rückt in die zweite Reihe. Er bleibt – aber nicht mehr als "Sie müssen selbst arbeiten", sondern als "Sie hätten die Freiheit dazu, wenn Sie wollen". Vom Arbeitsauftrag zum Sicherheitsnetz.

Und ich höre auf, Suchbegriffen hinterherzulaufen, die eigentlich nie so richtig zu mir gepasst haben. Wien war nie mein eigentlicher Schwerpunkt, obwohl ich dort etliche Kunden betreue. Die Unternehmen vor meiner Haustür – in Baden, im Weinviertel, in ganz Niederösterreich – brauchen genau das, was ich anbiete: einen echten Menschen aus der Region statt einer anonymen Großstadt-Agentur. Dort liegt ab jetzt mein Schwerpunkt – und, ehrlich gesagt, auch mein Herz.


Was der Sommer mich über Geduld gelehrt hat

Im April und Mai war ich in einem regelrechten Schreibrausch. Ich hätte am liebsten jeden Tag mehrere neue Seiten veröffentlicht. Damals bekam ich den Rat, ein paar Wochen gar nichts Neues online zu stellen. Ich fand das unmöglich – ich wollte doch vorankommen.

Heute weiß ich: Es war richtig. Ich habe meine Website rund zwei Monate lang bewusst in Ruhe gelassen, keine Zeile geändert. Und die Kurve zeigt, dass sich das ausgezahlt hat – meine Linie ist in dieser Zeit ruhig und stabil geblieben, während die der anderen nervös auf und ab zuckte.

Der Grund dahinter ist einfach: Gute Texte und sauberer Code brauchen Zeit, um bei Google zu wirken. Wer ständig herumbastelt, verwirrt die Suchmaschine – sie fängt immer wieder von vorne an zu prüfen. Nach einer intensiven Aufbauphase braucht eine Website ein paar Wochen Ruhe, bevor man überhaupt erkennt, wohin die Reise geht. Erst dann justiert man gezielt nach.

Aber – und auch das gehört zur Wahrheit – Ruhe war die Vorbereitung, nicht das Ziel. Zwei Monate Stillstand nach dem Aufbau waren klug. Zwei Monate Stillstand als Dauerzustand wären das Gegenteil. Jetzt, wo das Fundament sitzt, kommt der nächste Bauschritt.


Was ich niemandem versprechen kann – und was doch stimmt

Ich bin eine der wenigen, die Websites noch vollständig von Hand codiert – ohne Baukasten, ohne fertiges Design-Paket, ohne ein Gewirr aus Zusatzmodulen. Ich sage bewusst "eine der wenigen" und nicht "die einzige", denn das wäre eine Behauptung, die ich nicht beweisen kann, und dieses Tagebuch hält sich an das, was sich belegen lässt.

Was mich wirklich unterscheidet, ist nicht ein einzelnes Wort, sondern die Kombination: von Hand gebaut, kompromisslos bei der Barrierefreiheit, ehrlich statt werblich im Ton – und mit einem Blick für ein Thema, das in Österreich kaum jemand ernsthaft besetzt.

Und die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieses Sommers, für alle, die frustriert vor ihren eigenen Rankings sitzen: Man braucht keine große Agentur und kein riesiges Werbebudget, um bei Google sichtbar zu werden. Man braucht saubere Technik, ehrliche Texte, die echte Fragen beantworten, und die Geduld, nicht ständig alles umzuwerfen.

Ob mein knapper Vorsprung hält, weiß ich nicht. Google hat am Ende immer das letzte Wort. Aber ich weiß jetzt genauer als im April, worauf es ankommt – und was ich beim ersten Anlauf falsch eingeschätzt habe.




→ Nächster Eintrag: voraussichtlich zum Jahreswechsel 2026/27. Hält der Vorsprung? Hat der Weg nach Niederösterreich etwas gebracht? Und was hat Google mir inzwischen beigebracht, das ich heute noch nicht weiß?


Ich bin Petra Dippold – Webdesignerin aus Moosbrunn, in der Nähe von Wien, seit 2001 in dieser Branche.


→ Vienna-Webdesign.at
→ barrierefreies-internet.at


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